Bist du eigentlich jeck?

Als Ruhrpottkind ist mir der Karneval nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Wer sich in Dortmund zu den jecken Tagen verkleidet hat, fühlte sich immer irgendwie fehl am Platz. Wurde überall angestarrt.

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Als ich dann irgendwann zum ersten Mal nach Köln zum Karneval gefahren bin, habe ich mich sehr zurückhaltend verkleidet. Zu traumatisch waren die Erfahrungen, bei denen ich als Einzige verkleidet zur Schule gegangen bin – weil ich dachte, dass sich auch meine Freundinnen verkleiden würden.

In Köln schließlich fühlte ich mich mit meiner wenig auffallenden Verkleidung fehl am Platz. War ich in Dortmund in der U-Bahn noch angestarrt worden, weil ich ein bißchen Glitzer im Gesicht hatte und ein paar vom Kopf abstehende Zöpfe, fühlte ich mich in Köln viel zu konservativ verkleidet. Schnell holte ich meinen Lippenstift aus der Tasche und malte mir noch ein paar Herzen ins Gesicht.

Eigentlich passt Karneval ganz wunderbar zu mir. Ich bin ein bißchen verrückt, kreativ und es fällt mir leicht, mich auf alles Mögliche einfach mal einzulassen. Gerne mache ich jeden Spaß mit und trällere auch mal Karnevalslieder mit, die ich gar nicht verstehe.

Jetzt kommt das Aber. Karneval geht bei mir nur in Maßen. Wenn die Jecken zu betrunken sind, wenn die Scherze geschmacklos werden und man als Frau nur noch damit beschäftigt ist, aufdringliche Männer im rosa Hasenkostüm, Batman-Gewand oder Polizisten-Uniform abzuwehren, dann reicht es mir.

Es ist wie bei so vielen Dingen: Karneval in seinem Ursprung finde ich toll. Die kreativen Kostüme, die Fröhlichkeit, Geselligkeit und die Möglichkeit der auf die Spitze getriebenen Satire. Aber Karneval wird eben oft instrumentalisiert – als Ausrede benutzt, sich nicht zu benehmen.

Für mich ist die Lösung, nur an vereinzelten Tagen zu feiern und dann nach Hause zu gehen, wenn es mir zu bunt und zu albern wird.

Wie macht ihr das? Feiert ihr Karneval? Was habt ihr euch als Kostüm überlegt?

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